«Ohni Chäs chani nüd Zmoorge esse»

Die Schweiz kennt ihn aus der Werbung für «Appenzeller Käse» als wortkargen Sennen mit grimmigem Blick. Auf seinem Hof hoch über Appenzell ist er gesprächiger.

Albert Neff (76) hat es sich auf der heimischen Eckbank in der Stube seines Bauernhauses auf dem Gehrenberg bequem gemacht, wo der Blick aus den kleinen Fenstern bei klarem Wetter bis zum Alpstein reicht. Die Standuhr tickt, draussen bellt sein Sennenhund. «Jä», sagt er mit schelmisch verzogenem Lächeln, «i wääs nüd, i wääs nüd». Gemeint ist das Rezept von der berühmten Kräutersulz des Appenzeller Käses.

Neben Uwe Ochsenknecht (56) glänzt er auf Plakaten und in Fernssehspots als kauziger Senn, der bei der Frage zum Geheimnis des Appenzeller Käses auf Durchzug stellt. Sein Auftrag sei klar gewesen: «Böös dreeluege». So als wolle er das Geheimnis auf keinen Fall verraten. Und seine Frau Cäcilia (72) wirft ohne Umschweife ein: «Er macht e sauchoge Schnorre.» An der Wand neben dem grünen Kachelofen hängt das Hochzeitsbild der beiden von 1962. Neff führt aus, er habe den bekannten deutschen Schauspieler vor dem Dreh nicht gekannt. «Aber i denk, dä het no anderi Ärbet», meint er und lächelt wieder schief.

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Was für den pensionierten Bauern zählt, ist seine Familie und sein Hof. Er hat die kräftigen Hände eines Büezers, sein Gesicht ist von der harten Bauernarbeit hoch über Appenzell gegerbt. «Früehner hend mer e Stond grechnet bis abi», sagt Neff. Ihre sieben Kinder sind damals zu Fuss in die Schule. Sohn Pius (45) bewohnt heute den oberen Stock des Bauernhauses mit seiner Frau und zwei Söhnen im Schulalter. Er hat den elterlichen Bauernbetrieb übernommen, und Albert Neff sagt halb mit Stolz, halb mit Sorge: Heutzutage Bauer zu sein, heisse auch Unternehmer sein. Auch Albert Neff war schon immer stark an den Hof gebunden. Ob er es nie vermisst hat, früher frei zu machen, um wegzufahren? Er sagt, er sei an Landwirtschaftsmessen in Deutschland gewesen, und manch- mal besuche er einen seiner fünf Söhne, der als Tierarzt im Berner Oberland arbeite. Aber allzu lange hielt es der Pensionär nicht aus: «Wie e chli Heeweh ischt denn cho.» Und Frau Cäcilia nickt.

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Aber eine grosse Leidenschaft hat der kleine Mann, der mit 1,41 m aus der Schule kam, und seither nicht allzu viel gewachsen ist: seine Geissli. Jeden Morgen kurz vor sechs Uhr setzt er die schwarze Zipfelmütze auf und fährt in seinem alten VW ins benachbarte Schlatt, um nach ihnen zu schauen. Heute steht ein freudiger Anlass an. Am Morgen hat die Herde Zuwachs bekommen. Das Gitzi ist noch wacklig auf den Beinen, Neff nimmt es väterlich auf seinen Arm. Nach getaner Arbeit fährt er wieder heim und hat auch schon bald Hunger. Kaffee und Milch, Käse und Schmalz gehören zu seiner täglichen Stär- kung. «Ohni Chäs chani nüd Zmoorge esse», sagt er. Muss es immer Appenzeller Käse sein? «Seb sowieso, seb sowieso.»

Erschienen in der GlücksPost.